Rohstoffe

 

Der verantwortungsvolle Umgang mit Rohstoffen entlang der Wertschöpfungskette ist integraler Bestandteil der Unternehmenspolitik. Der möglichst effiziente und verantwortungsvolle Einsatz von Ressourcen, Recycling und das Closed-Loop-Konzept sind in der Unternehmensstrategie verankert.

Angabe
Management

Mit Prozess- und Produktinnovationen und dem strategischen Schwerpunkt im Bereich Recycling wird der Anspruch verfolgt, Wachstum und Ressourcenverbrauch voneinander zu entkoppeln und so den Wandel hin zu einem System der geschlossenen Wertschöpfungskreisläufe zu beschleunigen. Bei der Auswahl von Rohstoffen werden neben ökonomischen, ökologischen und sozialen Kriterien Aspekte wie Produkt- und Versorgungssicherheit berücksichtigt.

 

Der Weg der AMAG-Produkte beginnt bei der Vormaterialbasis. Die Aktivitäten der AMAG in Ranshofen zum Thema Rohstoffe umfassen

  • den Einkauf von Primäraluminium, Walzbarren und primärnahen Schrotten
  • den Einkauf von Aluminiumschrott und Legiermetallen
  • das Rezyklieren von Aluminiumschrott sowie
  • die Herstellung von Recycling-Gusslegierungen und Walzbarren

 

Primäraluminium wird für den Standort Ranshofen in Form von Masseln, Sows und T-Barren bezogen. Der Transport erfolgt hauptsächlich umweltschonend über den Wasserweg sowie die Schiene. Die AMAG setzt hierbei nur Material aus von ihr zugelassenen Elektrolysen ein. Die AMAG ist zu 20 % an der kanadischen Elektrolyse Alouette beteiligt, um die Primäraluminium-Versorgung für den Standort Ranshofen sicherzustellen. Aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten wurde im Jahr 2021 das Primäraluminium der Alouette ausschließlich in Nordamerika verkauft. Durch die Versorgung mit elektrischer Energie aus Wasserkraft sowie laufende Optimierungen der Produktionstechnologie besitzt die Alouette im internationalen Vergleich einen ausgesprochen niedrigen CO2- Fußabdruck.

 

Die Tonerdeversorgung der Alouette wird durch die Eigentümer (AMAG 20 %, Norsk Hydro 20 %, Rio Tinto 40 %, Albecour/Marubeni 20 %) sichergestellt. AMAG bezieht Tonerde entweder über den direkten Einkauf bei Tonerderaffineriebetreibern oder indirekt über Händler unter Berücksichtigung von Umwelt- und Sozialkriterien und Einhaltung gesetzlicher Regelungen. Die beiden für Alouette wesentlichen Tonerdeproduktionsregionen sind der atlantische (vor allem Brasilien) und der pazifische Raum (vor allem Australien).

 

Ausgangsmaterial für die Herstellung von Tonerde ist Bauxit. Bauxitvorkommen befinden sich entlang des Tropengürtels vorrangig in Gebieten, die eine hohe Artenvielfalt, d.h. eine große Vielfalt von Pflanzen und Tieren aufweisen. Die Minimierung der negativen Auswirkungen auf die Biodiversität ist daher von grundlegender Bedeutung für einen nachhaltigen Bauxitabbau. Dies impliziert, dass die Bedürfnisse der lokalen Gemeinschaften bei der Landerhaltung und - nutzung berücksichtigt werden. Die AMAG ist sich der Auswirkungen aus dem Abbau von Bauxit sowie der nachfolgenden Erzeugung von Tonerde bewusst.

 

Durch Mitgliedschaften in Initiativen wie der Aluminium Stewardship Initiative, European Aluminium oder Aluminium Deutschland leistet die AMAG wertvolle Beiträge zur Definition und Umsetzung nachhaltiger Standards in der Aluminiumindustrie. Der Einkaufsprozess ist in Verfahrensanweisungen und Richtlinien geregelt. Dadurch werden nicht nur einkaufsspezifische Risiken wie Lieferengpässe oder größere Preisschwankungen minimiert, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit und reibungslose Produktionsabläufe sichergestellt. Von Lieferanten wird erwartet, dass sie bei der Gewinnung und Produktion von Rohstoffen verantwortungsvoll agieren.

 

Beim Einkauf von Rohstoffen hat sich die AMAG zu einem verantwortungsvollen Beschaffungsmanagement für alle wesentlichen Lieferanten und Dienstleister (darunter fallen Schrott-, Primärmetall-, Walzbarren-, Legiermetalllieferanten sowie Energielieferanten und -dienstleister) verpflichtet.

 

Eine eigene Verfahrensanweisung regelt die laufende Durchführung eines verantwortungsvollen Beschaffungsmanagements für Tonerde. Hilfs- und Betriebsstoffe, Gemeinkostenmaterialien, Investitionsgüter, Dienstleistungen und Energie werden von einer breiten Basis von Lieferanten bezogen, welche in einem klar definierten Angebotsprozess ausgewählt und beauftragt werden.

 

Die Lieferantenbeziehungen sind leistungsorientiert und auf Dauer ausgelegt. Die AMAG bevorzugt Lieferanten, deren Managementsysteme nach ISO 9001/14001/45001 zertifiziert sind und die ein Sicherheitsmanagementsystem betreiben. Lieferanten werden periodisch nach einem einheitlichen System (Lieferantenbeurteilung) bewertet. Bei Preis- und Qualitätsgleichheit werden Lieferanten bevorzugt, die auf einen effizienten Umgang mit Energie bei der Leistungserbringung achten und einen möglichst energieeffizienten Gebrauch ermöglichen. Darüber hinaus wurde ein Prozess zum Compliance-Check von Lieferanten installiert. Dabei werden aktuelle Sanktionslisten zur systematischen Überprüfung verdächtiger oder illegaler Aktivitäten herangezogen.

 

Mehr Informationen dazu sind im Geschäftsbericht 2021 einsehbar.

Ziele

Ziel 2021: 

  • Kontinuierliche Verbesserung des ASI CoC-Managements und Beschaffung von ausreichend ASI-zertifizierten und -fähigen Rohstoffen, um den kundenseitigen Bedarf zu decken

Zentrale Maßnahmen:

 

Die AMAG konzentriert sich seit Jahrzehnten auf die verantwortungsvolle und ressourcenschonende Produktion von Aluminium und ist Gründungsmitglied der Aluminium Stewardship Initiative (kurz ASI), einer globalen Non-Profit-Organisation. Sie wurde aufbauend auf die Aktivitäten zu Nachhaltigkeit und Materialverantwortung, die seit über 20 Jahren von den Interessensvertretungen der Aluminiumindustrie verfolgt werden, im Jahr 2012 gegründet.

 

Ziel ist es, die nachhaltige Produktion von Aluminium aufzuzeigen und zu forcieren. Dazu wurden global anwendbare Standards und ein Zertifizierungssystem für Produzenten und Verarbeiter von Aluminium entwickelt. Als Nachweis für eine verantwortungsvolle Aluminiumproduktion und -verarbeitung ist die AMAG bereits nach beiden, von der Initiative herausgegebenen, Standards (ASI Performance und Chain of Custody Standard) zertifiziert.

 

Als Grundvoraussetzung zur Erreichung des ASI CoC-Standards muss zuerst die Konformität mit dem ASI Performance Standard, der die nachhaltige Produktion und Verarbeitung von Aluminium in Ranshofen offiziell bestätigt, nachgewiesen werden. Bereits 2018 erreichte die AMAG die Zertifizierung nach diesem ASI-Standard.

 

Der ASI CoC-Standard geht einen Schritt weiter und setzt vor den eigenen Werkstoren an, indem schon bei Vormaterial-Lieferanten die Einhaltung der gleichen strengen Standards und Kriterien, zu denen sich die AMAG bekennt, angelegt werden. Dabei werden alle Schritte der Wertschöpfung - von der Herstellung aus Bauxit bzw. Sekundäraluminium über die Verarbeitung bis hin zum fertigen Produkt - abgedeckt. ASI-zertifiziertes Primäraluminium bzw. Walzbarren werden von der AMAG von ihren Vorlieferanten zertifiziert zugekauft. Als ASI-fähige Schrotte gelten sogenannte „Post-consumer“-Schrotte, d.h. Schrotte, die bereits vom Endverbraucher genutzt wurden bzw. ihrem gedachten Zweck gedient haben (beispielsweise gebrauchte Felgen, alte Fensterrahmen, benutzte Aluminiumverpackungen). Der ASI CoC-Standard verknüpft damit die nach dem ASI Performance Standard geprüften Herstellungsschritte in Ranshofen mit einer überwachten Lieferkette und ermöglicht es der AMAG, Produkte als ASI-zertifiziert auszuweisen.

 

ASI-zertifiziertes Aluminium bietet Kunden wiederum die Chance, verantwortungsvolle Lieferketten von Aluminium und damit das Recycling von Schrotten, Closed-Loop-Konzepte und den verantwortungsvollen Abbau sowie die nachhaltige Herstellung von Aluminium zu unterstützen. Im Juni 2021 erfolgte in Ranshofen das erfolgreiche Rezertifizierungs-Kombiaudit nach den beiden ASI-Standards, welches ein insgesamt sehr positives Ergebnis und keine festgestellten Abweichungen zeigte. Als positiv hervorgehoben wurden insbesondere die für Mitarbeiter gut aufbereiteten Informationen (über KVP-Bildschirme sowie Online-Schulungen) und die kontinuierlichen Verbesserungen insbesondere im Bereich Arbeitssicherheit.

 

Als Teil der AMAG Gruppe werden von AMAG components hochpräzise Strukturteile (überwiegend aus Aluminium) für die Luftfahrtindustrie durch Zerspanung hergestellt. Die Produktpalette umfasst Zerspanteile aus Aluminium und Titan, Assemblies und Blechteile. Der Erwerb von AMAG components bedeutet für die AMAG eine Vertiefung der Wertschöpfungskette über das Kontursägen hinaus und unterstützt die AMAG Spezialitäten- und Recyclingstrategie. Die Aktivitäten von AMAG components beim Thema Rohstoffe umfassen vorrangig den Einkauf von Halbzeugen aus Aluminium und Titan, die über von Kunden zugelassenen Lieferanten bezogen werden, sowie die Bereitstellung von sortenreinen Bearbeitungsschrotten zum Recycling. Der Bezug einer wichtigen Aluminiumlegierung für Luftfahrtkunden soll zukünftig direkt über das AMAG Walzwerk erfolgen. Hierzu wird an der entsprechenden Qualifikation gearbeitet.

 

Ziel 2022 / mittelfristig:

  • Beschaffung von zertifizierten und nachhaltigen Rohstoffen, um den kundenseitigen Bedarf zu decken durch- Beschaffung von mindestens 45.000 Tonnen ASI-zertifiziertem Aluminium in Form von Walzbarren und Primäraluminium im Jahr 2022, Steigerung von ASI-zertifizierten Schrotten, Erhöhung der Ausbeute und Sortenreinheit bei Spänen im Zuge des Closed Loop-Recyclings mit AMAG components
Ergebnisse

Ergebnisse:

 

Im Zuge der kontinuierlichen Ausweitung der Lieferantenbasis zur Sicherstellung der Materialverfügbarkeit wurden neue Lieferanten für ASI-Schrotte qualifiziert. Zusätzlich wurden Aktivitäten gestartet, um zukünftig auch Schrotte aus Altflugzeugen verwerten zu können.

 

Bei der Tonerdeversorgung der Alouette einigten sich die Alouette-Partner auf die priorisierte Beschaffung von Tonerde aus ASI-zertifizierten Quellen. Diese Bestätigung der Einhaltung umfassender Nachhaltigkeitsstandards durch die unabhängige Institution ASI stellt ein wesentliches Element zur Sicherstellung von Transparenz und Qualität dar. Im Berichtsjahr 2021 wurden in Ranshofen 40.000 Tonnen an ASI-zertifizierten Walzbarren und zusätzlich ebenfalls ASI-zertifizierte Schrotte („Post-Consumer“-Schrotte und Krätze) bezogen. 

 

Der größte Teil des zugekauften Materials für die Herstellung der hochwertigen Aluminiumprodukte am Standort Ranshofen ist Aluminiumschrott. Der Wertstoff spielt mit einem Anteil von 56 % eine dominante Rolle beim externen Zukauf von Rohstoffen. In Summe wurden 183.100 Tonnen Aluminiumschrott (2020: 165.100 Tonnen) in unterschiedlichen Formen von externen Dritten bezogen.

 

Die AMAG hat 174 (2020: 184) Lieferanten für Aluminiumschrott für ein weites Sortenspektrum. 22 Hauptlieferanten (2020: 21) decken 50 % des gesamten Bedarfs ab. Darüber hinaus bestehen Verträge mit Kunden, die Walzwerkprodukte beziehen, zum Bezug von Produktionsabfall aus der Weiterverarbeitung oder Finalproduktion (Entfallstellen).

 

Das 2021 für den Standort Ranshofen benötigte Primäraluminium in Höhe von 90.000 Tonnen (2020: 75.100 Tonnen) wurde von Lieferanten, mit denen langjährige Geschäftsbeziehungen bestehen, erhalten. Rund 11 % (2020: 0,6 %) des für den Standort Ranshofen benötigten Primäraluminiums 2021 wurde über Händler von Alouette bezogen. Neben den Walzbarren, die in der eigenen Gießerei produziert werden, werden auch niedrig legierte Walzbarren von Dritten bezogen. Der Zukauf von externen Walzbarren belief sich im Berichtsjahr 2021 auf 43.200 Tonnen (2020: 40.300 Tonnen). Auch Legiermetalle, die zur Erreichung der geforderten Materialeigenschaften notwendig sind, werden extern zugekauft.

 

Die wichtigsten Legiermetalle sind Magnesium, Silizium, Mangan, Kupfer und Zink. Im Jahr 2021 machte der Zukauf von Legiermetallen rund 11.000 Tonnen (2020: 9.300 Tonnen) am Standort Ranshofen aus.

 

Die Zukaufsmengen von AMAG components betrugen bei Aluminiumhalbzeugen im Berichtsjahr 2021 rund 1.468 Tonnen, bei Halbzeugen aus Titan rund 60 Tonnen.

 

Tantal, Zinn, Gold, und Wolfram, welche aus der Demokratischen Republik Kongo oder deren Nachbarländern (die „DRK“-Länder) stammen, wurden als „Konfliktmineralien“ identifiziert. Lieferanten haben eine Auskunftspflicht zu erfüllen, falls eine Verwendung dieser „Konfliktmineralien“ für die Funktionalität und für die Herstellung der Produkte, die sie liefern, notwendig wäre. AMAG überprüft laufend, ob solche Mineralien für die Funktionalität oder die Herstellung ihrer Produkte notwendig sind. Gegebenenfalls wird mittels Kommunikation mit Vorlieferanten abgesichert, dass die genannten Mineralien nicht aus DRK-Ländern stammen. Im Berichtsjahr 2021 wurden keine Konfliktmineralien bezogen.

Die AMAG ist Gründungsmitglied der Aluminium Stewardship Initiative (ASI), die im Jahr 2012 ins Leben gerufen wurde. Sie ist ein Zusammenschluss verschiedener Stakeholder der Aluminiumindustrie mit dem Ziel, die Produktion von Aluminium möglichst nachhaltig zu gestalten. Zu diesem Zweck wurde ein unabhängiges, objektives Zertifizierungssystem entwickelt, das alle Schritte von der Rohmaterialgewinnung, über die Produktion und Verwendung bis zum Recycling von Aluminium betrachtet.

Im Jahr 2018 hat sich die AMAG als erster integrierter Recycling-, Gusslegierungs- und Walzwerksstandort erfolgreich der Zertifizierung nach dem Performance Standard unterzogen.

Zwei Standards bilden den Kern des ASI Zertifizierungsprogramms: Der „ASI Performance Standard“ (Zertifizierung von Standorten bzw. Tätigkeiten) und der „Chain of Custody Standard“ (Produktketten-zertifizierung). Zur Erreichung und Aufrechterhaltung der Zertifizierung finden Audits durch dafür befugte, externe Auditoren statt.

Seit dem Berichtsjahr 2017 veröffentlichen wir innerhalb unseres Lageberichts eine zusammengefasste nichtfinanzielle Erklärung (nfE) und kommen damit unserer Berichtspflicht gemäß Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz (NaDiVeG) nach.

Sie fasst die für AMAG wesentlichen Angaben zu den fünf geforderten Aspekten Umweltbelange, Arbeitnehmerbelange, Sozialbelange, Achtung der Menschenrechte sowie Bekämpfung von Korruption und Bestechung inhaltlich zusammen.

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